Donnerstag, 19. Mai 2016

Mittelalterschuhe nähen

Ein leidiges Thema bei uns sind Mittelalterschuhe....

Entweder sehr teuer oder von schlechter Qualität (wobei diese ja auch nicht gerade preiswert sind). Hinzu kommt, dass die Kinder stetig wachsen & von daher mindestens jedes Jahr ein paar neue MA-Schuhe brauchen. Kleine Schuhe sind noch schwerer zu bekommen. Die Auswahl ist begrenzt & i.d.R. nicht für schmale Füße geeignet.

 meine noch realtiv neuen Schuhe, 
die jedoch schon größere Abnutzungserscheinungen aufweisen


Kurzum, ich hatte die Faxen dicke & dachte mir, ich probiere jetzt mal selber ein paar authentische MA-Schuhe zu nähen. Leider gibt es im Web & auf Youtube nur sehr wenige, grobe Anleitungen, so dass ich mich selbst durchwursteln mußte.

Zum Glück fiel mir ein alter Trick ein, wie man ein Schnittmuster, von einem Kleidungsstück abnehmen kann. Dazu braucht man eine durchsichtige Plastikfolie & einen Edding. Die Folie wird straff um das Kleindungsstück gewickelt & mit Tesa o.ä. fixiert, damit nichts verutschen kann. In meinem Fall: der Schuh. Dann zeichnet man alle Nahtlinien bzw. die Konturen des Schuhs nach. Anschließend schneidet man die Umrisse aus. Daraus fertigt man dann das eigentliche Schnittmuster & fügt gewünschte Änderungen hinzu.

 der Schuh mit der Folie (Tesa bereits entfernt)
 die Folie mit den Markierungen (es sind nicht viele)
Schuh, Folie & Probeschnittmuster


Aufgrund der Änderungen habe ich erstmal ein Filzmodel genäht, um zu sehen, ob alle Berechnungen passen oder ob noch etwas geändert werden muß. Als das Filzmodel die gewünschte Passform hatte, ging es ran ans Leder.




Als erstes habe ich dann die Schuhe fürs Tochterkind genäht. Was weitaus schwieriger war, da ich nur auf ein paar normale Ballerinaschuhe zurückgreifen konnte & so das Schnittmuster von meinen MA-Schuhen verkleinern & auf die Ballerina-/Fußmaße anpassen mußte.

 die fast fertigen Schuhe fürs Tochterkind

Die Schuhe passen richtig gut & auch das Leder ist richtig schön. Nicht zu dick & nicht zu dünn. Obwohl es beim Wenden schon grenzwertig war. Aber ich habe mich nicht getraut, die Schuhe ordentlich zu wässern, wie es manche empfehlen.

Jetzt fehlt noch der Feinschliff: die Nähte anfeuchten, in Form bringen & eine gute Wachsölpolitur.

Fazit, es war gar nicht so schwer & doch steckt, bis zum fertigen Schuh, eine Menge Arbeit darin. Das Gute ist, dass sich die Schnittmuster ewig verwenden lassen, bzw. beim Tochterkind nur noch vergrößert werden müssen.




Montag, 16. Mai 2016

Eine Gugel für den Knecht

Auch eine handgenähte Gugel wurde endlich fertig.

Am Anfang stand eine doch längere, mühselige Recherche. Genau 2 Abbildungen hatte ich zum Thema Gugel in unsere Epoche gefunden. Doch diese gaben keine Hinweise auf deren Schnittführung. Funde, die unserer Epochen am nä. liegen, ist die Skjoldehamn Gugel & aus dem 13. Jhd. die Gugel vom vom Bockstensmann.

Nebenbei bemerkt, sind mir jedoch bereits öfters Abbildungen von Cotten mit angenähten Kapuzen aufgefallen, aber das ist ein anderes Thema, dass sicher nicht uninteressant ist.

 angenähte Kapuzen an bäuerlicher Gewandung um 1180

2 Abbildungen ebenfalls 1180 von Gugeln


Hier ist meine Version, den Schnitt mußte ich anpassen, da sie für meinen Mann sonst im Schulterbereich zu eng geworden wäre & die beiden Abbildungen zeigen doch eher locker sitzende Gugeln (um die Schulter herum). Angezogen sitzt sie wie auf den Abbildungen.


 

Neue Beinlinge für den Knecht

In der letzten Zeit war ich sehr fleissig & konnte einige Langzeitprojekte vollenden.

Ein Projekt waren handgenähte Beinlinge für die Knechtdarstellung meines Mannes. Da ich diese zum Teil mit einem einfachen Umbug genäht habe, habe ich die Stiche noch feiner ausgeführt, als gewöhnlich, damit der Stoff nicht ausfranst im Gebrauch & beim Waschen. Pro 1cm habe ca. 4 Stiche gemacht. Von vorne sind diese Stiche fast unsichtbar.



Fortschritt an den Seidenborten

Langsam geht es voran. Nachdem sich der erste Part, wie im Fluge sticken ließ, so langsam komme ich mit diesen winzigen Bögen voran...