Sonntag, 27. Mai 2012

Stirnband zur Schleierbefestigung

Schon lange experimentiere ich mit verschiedenen Schleierformen & deren Trageweise herum.

Die Bilddokumente, die ich besitze, zeigen oft voluminöse, lange Schleiertücher, die üppig drapiert waren.
So ein Schleiertuch anzufertigen, ist simpel aber wie hält so ein Schleier ohne ständig zu verrutschen?!

Vorlagen für das Schleiertuch: Evangeliar H. der Löwe  1173 bis 1188 Braunschweig.


Mein erster Versuch bestand aus einem um den Kopf geschlungenen Rechtecktuch aus Leinen - der Halt war miserable & man hatte keine Bewegungsfreiheit. Die Trageweise ist, meiner Ansicht nach, nicht alltagstauglich. Das Aussehen kam jedoch den mittelalterlichen Abbildungen sehr nahe:

dies ist ein Foto aus unseren MA-Anfängertagen - deshalb bitte nicht auf die Gewandung achten  ;  )


Es erfolgten einige Versuche, das Ganze mittels Stoffschapel (total unauthentisch für unsere Epoche...) & später mit Wimpel (Anleitung Tempora Nostra) & Schleiernadeln zu fixieren. Das brachte zwar ein wenig Besserung aber wirklich alltagstauglich war diese Art der Befestigung immer noch nicht & auch der Wimpel passt nicht wirklich ins 12 Jhd.. 

Immerhin hielt der Wimpel von allen bisherigen Versuchen noch am besten & auch die unterschiedlichen Schleier ließen sich mittels Schleiernadeln einigermaßen gut daran befestigen. Der Wimpel zeigte auch die ersten wirklichen Erfolge bezügl. der Alltagstauglichkeit.

Wimpel mit halbrundem Schleier

Rechteckschleier ohne Wimpel mit Schleiernadeln

Rechteckschleier mit Wimpel

Beim FFC (franko-flämisches Contingent) fand ich dann einen Kitguides, welcher sehr informativ & historisch belegbar ist. Dort wird u.a. ein Stirnband erwähnt & beschrieben. Nach dieser Anleitung enstand folgendes Stirnband:


Erste Versuche, die verschiedenen Schleiertücher daran zu befestigen, erwiesen sich als sehr positiv. Das Stirnband trägt bei weitem nicht so dick auf, wie der Wimpel & durch den Knoten im Nacken, läßt es sich gut fixieren. So, dass auch ein großer, langer Rechteckschleier einen stabilen Halt mittels Schleiernadeln daran findet. Wie sich das Stirnband im alltäglichen Gebrauch macht, werde ich jedoch noch austesten müssen.



Freitag, 25. Mai 2012

Schleiernadeln 12 Jhd.

Heute konnte ich endlich ein altes Versprechen einlösen & die Schleiernadeln für meine liebe Freundin herstellen.

Letztes Jahr haben wir zusammen gebastelt & Schleiernadeln hergestellt & bei ihr wollte es irgendwie nicht richtig funktionieren. Am Schluss war sie richtig sauer, weil es einfach nicht klappen wollte.

Da hatte ich mir insgeheim vorgenommen ihr ein paar schöne, authentische Schleiernadeln zu basteln. Doch wie das so ist, fehlte mir die Zeit & Muße dazu. Deshalb konnte ich mein Vorhaben erst heute in die Tat umsetzen.

letztes Jahr beim gemeinsamen Basteln & Handarbeiten...

die fertigen Schleiernadeln

 
Jetzt noch schön verpacken & morgen werde ich ihr die Schleiernadeln endlich überreichen können!

(Ich hoffe nur, sie kommt heute nicht auf die dumme Idee in meinem Blog zu lesen....)



Montag, 21. Mai 2012

Edles Leinengewand

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, erst ein neues Projekt zu beginnen, wenn die Seidenborten für die Vorhänge fertig sind.

Naja, zwei Borten (eigentlich drei - eine habe ich doch tatsächlich geschreddert!!!) sind fertig & in den letzten Monaten hatte ich sehr viel Zeit & Arbeit in meinen kleinen Online-Shop gesteckt, so dass ich fast keine Zeit zum Sticken hatte.

Die beiden Borten werde ich in den nä. Tagen auf die Vorhänge nähen & für Euch fotografieren.

Da die Lagersaison begonnen hat & ich keine Seidensachen im Lager nähen möchte, habe ich mich entschlossen, jetzt doch ein neues Projekt zu beginnen (etwas woran ich auch im Lager arbeiten kann):

Ein handgenähtes, feines Leinengewand für meine Adelsdarstellung.

Leinen, weil es deutlich preiswerter ist als feine Wolle oder Seide & ich meinen Hang zum Schreddern diesmal vorbeugen möchte. ;  )
Es ist ein Probegewand für spätere Projekte aus Seide & feiner, leichter Wolle.

Auf dem Foto seht Ihr die zugeschnittenen Teile:


Da es sich um ein adeliges Übergewand handelt, ist die leicht angepasste Schnittform legitim. Auch die Ärmelkugel, sowie die Armausschnitte. Die Ärmel sind im Schulterbereich noch nicht "richtig" zugeschnitten & werden von mir noch entsprechend anpasst. Trotz der angepassten Form ist der Verschnitt minimal. 

Offen ist auch, ob ich seitl. eine Schnürung einarbeite oder nicht - darüber habe ich noch keine Entscheidung gefällt.

In der Untergewandung wurde jedoch der streng geometrische Zuschnitt auch beim Adel beibehalten.


27.05.2012:

So langsam nimmt das Gewand Gestalt an. Die Keile, Voder- & Rückenteil sind gesäumt & die Schulternähte geschlossen. Ich habe versucht die feinen Nähte zu fotografieren, leider klappt dies nicht besonders gut. Bei den Schulternähten läßt sich jedoch ein wenig von den Nähten erkennen. Genäht wurde mit den Überwendlichstich; ein einfacher Grundstich, der auch für das 12 Jhd. belegt ist.



von aussen

von innen


Jetzt folgt der Halsausschnitt & für Elsi diesmal mit einer genauen Anleitung...

28.05.2012: 

Richtig authentisch wäre es, wenn man als Beleg einen ca. 2 cm langen Stoffstreifen nehmen würde & auch die Schulternähte sind für das 12 Jhd. eher untypisch. Das hatte ich beim Zuschneiden allerdings nicht bedacht, deshalb hat dieses Gewand jetzt Schulternähte...


 Halsöffnung auf den Stoff für den Beleg legen & mit Kreide die Halsöffnung einzeichnen

 Kleid herunternehmen - so sollte das jetzt aussehen - die beiden Kreidestriche sind die Markierung der Schulternähte

 nun die Nahtzugabe (gestrichelte Linie) einzeichen - ich habe in diesem fall 3 cm genommen

 auschneiden - die beiden Kreidestriche sind die Markierung der Schulternähte des Kleides

den Beleg rechts auf rechts ans Kleid heften - bei den Schulternähten beginnen

Beleg & Halsauaschnitt zusammen nähen

08.06.2012:

 gleichmäßig verteilt kleine Keile bis kurz vor die Naht einschneiden

 wenden, bügeln & den Beleg am Gewand festnähen

fertig  ;  )

25.11.2012:

Heute vormittag habe ich das Gewand fertigstellen können - komplett von Hand genäht. Nur leider sieht man das so gut wie gar nicht, finde ich. Dennoch ist es sehr schön geworden & passt sehr gut. Jetzt fehlen noch die Verzierungen bzw. die bestickten Borten aber da, bin ich mir noch nicht ganz schlüssig, welche Farben ich nehmen möchte.